Unter Nachbarn herrscht Gesprächsbereitschaft
Neuer konstruktiver Dialog zwischen zwei Parteien
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Kölner Norden
Auf Anregung und Drängen breiter Bevölkerungsteile, der Bürgervereine rund um das Werk und des INEOS- Betriebsrates trafen sich Vertreter


Dr. Axel Göhrt im Gespräch mit Paul Reiner Weißenberg,
im Hintergrund Betriebsratsvorsitzender
Rainer Müller

der Geschäftsführung von INEOS in Köln und BürgervertreterInnen im Restaurant des Golfclubs, sozusagen an einer lokalen Schnittstelle, zu einem Dialog unter Nachbarn. Von Seiten der INEOS nahmen Dr. Axel Göhrt, Geschäftsführer Produktion und Technik, Andreas Hain, neu ernannter Leiter „Ereigniskommunikation und Nachbarschaftsdialog“, sowie Rainer Müller als Betriebsratsvorsitzender teil. Das zweieinhalbstündige Gespräch fand in sachlicher Atmosphäre statt und wird von beiden Seiten als Neubeginn eines nachhaltigen und vertrauensbildenden nachbarschaftlichen Dialogs gesehen.

Nachdem es im vergangenen Jahr zu mehreren Störungen im Bereich der Hochdruckanlagen, jedes Mal mit einem erschreckenden Knall verbunden, und vermehrter Aktivität der Hochfackeln gekommen war, ohne dass eine anschließende befriedigende Aufklärung der verunsicherten Bevölkerung erfolgte, schwand bei den Anrainern das ohnehin seit geraumer Zeit eingeschränkte Vertrauen in die Sicherheitsbemühungen des Chemieriesen rapide. Lücken in der Informationskette, Notfallnummern ohne
jeglichen Informationswert und immer gleiche Standardformulierungen trugen nicht zur Beruhigung bei. Die AnwohnerInnen fühlen sich nicht ernstgenommen und in der Zeit der Verbreitung von nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfbaren Informationen in den sozialen Netzwerken und „fake news“ zusätzlich verunsichert.
Doch nun scheint ein Umdenkungsprozess stattzufinden und INEOS in Köln bemüht sich, durch die direkte Kommunikation mit den NachbarInnen verloren gegangenes Vertrauen in das Sicherheitskonzept des Werkes und die Fähigkeit Produktionsabläufe zu beherrschen, nachhaltig zurückzugewinnen. Mit diesem Ziel wurde das erste einer geplanten Reihe von Gesprächen mit der Frühstücksrunde am Golfplatz, zu der der BV Worringen geladen hatte, eröffnet.

Die Bedeutung, die INEOS der Kommunikation und dem Dialog mit der Bevölkerung im Umkreis des Werkes und der Belegschaft beimisst,


Andreas Hain erläutert das Konzept

zeigt sich in der Schaffung einer neuen Stelle „Ereigniskommunikation und Nachbarschaftsdialog“ und der Berufung des 49-jährigen Andreas Hain (*WorringenPur berichtete) , die für eine schnelle und störungsfreie Information der besorgten BürgerInnen sorgen soll. Im Ereignisfall wird somit nicht mehr von der Stelle „Unternehmenskommunikation“, sondern von der neu geschaffenen Stelle, die der Geschäftsleitung für Produktion und Technik angegliedert ist, berichtet. Herr Hain, der über mehr als 25 Jahre Standorterfahrung verfügt, hat diese Aufgabe Anfang Mai übernommen. Er erläuterte, wie sowohl bei einer Betriebsstörung, zu der das Ansprechen der Berstscheiben und der Ausbruch der Hochfackeln zählen, als auch bei einem echten Zwischenfall, wie etwa beim Schiffsbrand 1999 oder dem Großbrand 2008 ,  eine Abfolge gestaffelter Sicherheitsmaßnahmen in dem etwa 200 Hektar umfassenden Werksgelände greift. Tritt ein Ereignisfall ein, wird dieser zunächst von der Produktionszentrale von INEOS in Köln, die rund um die Uhr besetzt ist, als kontrollierendes und steuerndes Element erfasst und verortet, von dieser  weitergemeldet an den insgesamt 40 Personen umfassenden Werkbereitschaftsdienst, der sich ebenfalls jeden Tag des Jahres 24 Stunden in Bereitschaft befindet. Zeitgleich erfolgt die automatische Alarmierung der Werkfeuerwehr über die in den Anlagen installierten Warneinrichtungen. Der Werkbereitschaftsdienst besteht aus umfassend geschulten Ingenieuren/Chemikern und kann über die Gefahrenlage vor Ort Entscheidungen auch ohne Rücksprache mit der Geschäftsleitung oder Produktionsverantwortlichen treffen. Als nächsten Schritt informiert die Produktionszentrale den ebenfalls immer zu erreichenden Bereitschaftshabenden „Ereigniskommunikation“, damit von dieser Seite gesicherte Informationen auf die Homepage von INEOS in Köln gelangen (www.ineoskoeln.de) und per E-Mail verschickt werden. Mit dem Verteiler, in den sich interessierte BürgerInnen jederzeit aufnehmen lassen können, ist sichergestellt, dass Bezirksregierung, Einsatzleitstellen, Medien, Vereine, Verbände und interessierte Privatpersonen zeitnah mit derselben gesicherten Information versorgt werden.

Im weiteren Verlauf informiert die Produktionszentrale auch die Currenta Sicherheitszentrale (SiZe) über die aktuelle Lage und die aufsichtsführende Bezirksregierung Köln. Beim Eintreffen der werkeigenen Feuerwehr übernimmt der Einsatzleiter der Feuerwehr die Einsatzleitung und entscheidet gegebenenfalls über Art und Umfang weiterer einzuleitender Rettungssysteme. Je nach Anzahl von Verletzten, Art und Umfang des Ereignisses werden bei Bedarf weitere Feuerwehren und Rettungsdienste hinzugezogen.

Danach aber muss und soll in Zukunft – anders als beim Zwischenfall im September 2017 - eine eindeutige Information von Seiten des Werkes geschaltet werden. An diesem konkreten Fall lässt sich aufzeigen, dass die zu diesem Zeitpunkt verzögerte oder nicht vorhandene Kommunikation seitens der INEOS im Anschluss daran bei der Bevölkerung – auch angefeuert durch Nachrichten in den sozialen Netzwerken - zu einer Beunruhigung führte. Die in diesem Zusammenhang von Seiten der BürgervertreterInnen geäußerte Kritik am Informationsgehalt der Sicherheitszentrale (SiZe) von Currenta, die im Prinzip lediglich auf ihr Informationsbüro „Unter den Hecken“ verwies, stieß bei den Vertretern von INEOS in Köln auf Vorbehalte. Sie konnten die Kritik nicht nachvollziehen und betonten, dass sie mit Currenta, der SiZe, und der Werkfeuerwehr in einem reibungslosen und permanenten Austausch, unabhängig von Ereignisfällen, stehen. Dabei werden immer wieder auch Schnittstellen überprüft und Gespräche hinsichtlich Verbesserung der Notfallsysteme geführt. Ein Ergebnis dieser Gespräche und der Dialoge mit Bürgervereinen ist die Einbeziehung des „Ereigniskommunikators“, als festen Bestandteil in der Maßnahmenkette nach einem Ereignisfall.

Dies alles soll nun zu einer deutlichen Verbesserung des Dialogs und der persönlichen Ansprechbarkeit des Unternehmens führen. Im Gespräch entstand der Eindruck, dass die Fragen der Bevölkerung „Wie wirken sich die Störungen und Unfälle im Werk auf meinen Lebensraum und meine Gesundheit aus?“ wieder ernst genommen werden. Zwar geht man im Zeitalter digitaler Kommunikation nicht wieder auf das Flugblattsystem vergangener Jahre zurück, das uns regelmäßig nach jedem Knall und Stink über die Ursachen berichtete, überlegt aber die Einrichtung moderner und schneller Kommunikationswege, wie z.B. einer INEOS-App, die, einmal auf das immer griffbereite Handy oder Smartphone geladen, im Stör- oder Ereignisfall informieren kann. Das haben die Verantwortlichen erkannt und wollen für die Zukunft sichere und belastbare Kommunikationssysteme schaffen. Das Werk hat außerdem kürzlich die alle 5 Jahre zu aktualisierende Broschüre mit Notfallnummern und Verhaltensmaßregeln veröffentlicht und an die umliegenden Haushalte per Post verteilen lassen (*WorringenPur berichtete).
Da Ängste auch eine Folge von Nichtwissen und sich daraufhin bildender Vorurteile sind, werden die Worringer Nachrichten in zukünftigen

Kleines Ding mit großer Wirkung: eine Berstscheibe

Ausgaben von Vertretern der INEOS bereitgestelltes Hintergrundwissen zu technischen Abläufen und Einrichtungen im Werk veröffentlichen. So werden in den nächsten Ausgaben das Ansprechen einer Berstscheibe oder das Anspringen der Fackeln auch für Laien verständlich erklärt, so dass wir in Zukunft bei den hoffentlich selten oder gar nicht auftretenden Phänomenen, die uns in 2017 einige Male aufschreckten, weniger beunruhigt sind. Darüber hinaus gibt es ein Angebot von INEOS in Köln an Vertreter des Bürgervereins Worringen, zeitnah mit allen mit dem Thema „Sicherheit“ befassten Kräften rund um das Gelände des Chempark und der INEOS ein Gespräch zu koordinieren, was die Ernsthaftigkeit des nunmehr in Gang gesetzten Nachbarschaftsdialogs unterstreicht. Die Worringer Nachrichten werden über die geführten Gespräche in der nächsten Ausgabe berichten.


WorringenPur.de/29.06.2018
Bericht: Waltraud Schmitz/Bürgerverein Worringen
* = Textstelle aktualisiert, da WorringenPur.de bereits berichtete
Fotos: Hans-Bernd Nolden