Hart aber fair - Kolping Bildungsabend
Worringer Priester stellten sich kritischen Fragen
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Die Kolpingsfamilie richtet regelmäßig Bildungsabende im St.Tönnis-Haus aus und hatte für die Adventszeit anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ das Thema „Hart aber fair“ ausgesucht und hierzu die beiden Worringer Priester, Pastor Thomas Wolff und Pfarrer Volker Hofmann-Hanke zum Dialog der beiden Konfessionen eingeladen. Die Unterschiede zwischen den beiden Konfessionen sollten aufgezeigt werden und diese, sowie deren Begründung dargelegt und diskutiert werden. Thomas Büchel, Vorsitzender der Kolpingsfamilie hatte nicht nur eingeladen, sondern auch die Moderation übernommen.

Abwechselnd äußerten sich die beiden Priester zu den von Büchel vorgegebenen Themen und anhand deren jeweiligen Aussage, wurden die Unterschiede schon immer wieder deutlich. Pastor Wolffs Aussage, dass die Katholiken ihre Gotteshäuser, bzw. deren ausschließliche Verwendung lediglich für gottesdienstliche Handlungen betrachten, ergab, dass eine andere Verwendung im Gegensatz zu evangelischen Kirchen, erst gar nicht in Frage kommt. Mit der Aussage, dass „dieser Raum als solcher nicht heilig ist“, klärte Pfarrer Hofmann-Hanke auf, warum in evangelischen Gotteshäusern auch gefeiert werden darf.

Weitere Unterschiede ergaben sich bei der Verehrung der Heiligen und Seligen. Der katholischen Kirche ist die Verehrung der heilig und selig gesprochenen Gläubigen wichtig, weil sie hierin die Verbundenheit mit diesen Menschen über deren Tod hinaus sieht. Im Gegensatz hierzu betonte der evangelische Pfarrer, dass man hier eher die gesamte Christengemeinschaft als Heilige ansieht. Immerhin waren sich beide einig, dass man mit dem heiligen Nikolaus einen ökumenischen Heiligen gemeinsam hat.

Beim Thema Messgewand gaben sich Pastor Wolff und Pfarrer Hofmann-Hanke gleichermaßen locker und betonten, dass es sich letztendlich um eine Berufsbekleidung handele, die auch praktisch sein muss. Die Gewänder resultieren in ihrer Form aus der Römerzeit und „damals gab es eben keine Hosen und wenn ich dieses Gewand anziehe, dann trete ich als Person zurück“, betonte Pastor Wolff. Das in der Regel schlichtere schwarze Gewand der evangelischen Priester entspringt dem damaligen Talar der Theologen und Juristen. Anhand von Beispielen erläuterte Pastor Wolff die verschiedenen liturgischen Farben, die im Verlauf des Kirchenjahres wechseln und auch bei den evangelischen Priestern zum Einsatz kommen. Die liturgischen Farben sind somit also auch als ökumenisch zu betrachten.

Als die Diskussion das Thema der Sakramente aufnahm, zeigten sich dann doch wesentliche Unterschiede zwischen den Konfessionen. Das erklärt sich bereits darin, dass die Katholiken sieben Sakramente kennen und die Evangelischen lediglich zwei, nämlich die Taufe und das Abendmahl. Die Beichte gibt es hier grundsätzlich auch, aber eher selten und dann auch nur auf besonderen Wunsch. Hier wartet die katholische Kirche mit Taufe, Firmung und Eucharistie als die drei „großen“ Sakramente, sowie mit Ehe, Priesterweihe, Beichte und Krankensalbung (Sterbesakrament) als die vier kleinen, mit insgesamt sieben Sakramenten auf.

In diesem Zusammenhang wurde vorrangig das Sakrament „Priesterweihe“ diskutiert, u.a. weil ein vor 50 Jahren in der katholischen Kirche diskutiertes Thema, nämlich die Priesterweihe für Frauen einzuführen, nie umgesetzt wurde und bis heute nicht ernsthaft diskutiert wird, weil es, so Pastor Wolff, „die Tradition nicht her gibt“ und somit interessieren dann letztendlich andere und der Zeit angepasste Meinungen aus den unteren Etagen der Kirchengemeinden die Kirchenoberen in Rom weiterhin nicht.
Dass es weibliche evangelische Priester gibt, erscheint uns mittlerweile als normal, aber auch das ist erst seit 50 Jahren möglich, betont Pfarrer Hofmann-Hanke. Und auch im Rest der Welt ist das nicht unbedingt üblich. „Uns ist es wichtig, Frauen, aber auch Lesben und Schwule in unseren Gemeinden zu haben“, ergänzt er und in der Konsequenz der Reformation sei das auch logisch.

Das Thema Zölibat war eigentlich schnell abgehandelt, weil hier nach wie vor keine wirklich positiven Signale aus Rom kommen. Pastor Wolff kommentierte dies mit den Worten: „Das Zölibat ist nicht in der Bibel begründet und es ist auch kein Dogma, aber die Frage nach der Zweckmäßigkeit ist mir wichtig“. Die Berufung zum Priester bertachtete er auch als Berufung zur Ehelosigkeit.

Ebenso schnelle Worte fand er für die Ehe. Das Ehesakrament ist unauflöslich, weil es eben ein Sakrament ist. In diesem Punkt ist das Kirchenrecht auch weiterhin „knallhart“. Die Themen Zölibat und Ehe zeigten eindeutig, dass hier eine Annäherung noch in weiter Ferne liegt.

Kritisch wurde von beiden Kirchenvertretern das Thema Beichte betrachtet. Vergeben sich, bis auf wenige Ausnahmen, bei den Evangelischen diese noch gegenseitig ihre Sünden, so Pfarrer Hofmann-Hanke, wird das, schon historisch betrachtet, bei den Katholiken wesentlich

komplizierter. Hier erläuterte Pastor Wolff, warum und was hier aus seiner Sicht in den vergangenen Jahrhunderten falsch, ja zum Teil sogar „kaputt gemacht“ wurde.
Besonders bei jungen Menschen ist bei Beichtgesprächen viel falsch gelaufen, was zur Folge hat, dass immer weniger Menschen an einer Beichte im Beichtstuhl Interesse zeigen.

Auch beim Thema „Fegefeuer“ gab Pastor Wolff zu, dass hier früher vielen Menschen einfach zu viel Angst gemacht wurde. Einig waren sich beide Priester zu diesem Thema aber darin, dass ganz gleich bei welcher Konfession gebeichtet wird, das Beichtgeheimnis unumstößlich ist, weshalb Priester vor Gericht auch nicht als Zeugen berufen werden können, wenn es um betroffene Personen geht.

Eine der Kernfragen zum Schluss der Veranstaltung war: „Was kann und muss passieren, dass Ökumene keine Worthülse ist?“. Hierzu erläuterte Pfarrer Hofmann-Hanke: „Wir Christen werden weniger; nicht nur zahlenmäßig, sondern auch von der Bedeutung her und die Ökumene ist eine wichtige Aufgabe für unsere Zukunft.“ Er begrüßte im Besonderen die positive Haltung des Kollegen Pastor Wolff und bedauerte, dass in jüngster Vergangenheit gemeinsam angegangene Projekte sehr engagiert und gut, aber mit zu geringer Beteiligung verlaufen seien. Pastor Wolff betonte, dass sehr viel möglich ist und weiter Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Der Austausch über den Glauben und ein konstruktives Handeln seien notwendig. Die hierzu positiven Signale seitens der evangelischen Gemeinde in der jüngsten Zusammenarbeit, wertete Wolff als sehr konstruktiv.

Die abschließende Frage an die Priester, was sie an der anderen Konfession schätzen, war von beiden Priestern schnell beantwortet. Pfarrer Hofmann-Hanke betrachtet die weltweite Verbundenheit und die

Reichhaltigkeit der katholischen Religion als sehr wichtig. Pastor Wolff ordnete die gemeinsame Liebe zur heiligen Schrift als wichtig ein, sowie die Stärke für das gemeinsame Handeln beider Religionen. Sein Abschlusswort: „Et wör schad, wenn et üch nit jöv“, kam dann auch bei den Zuhörern sehr gut an und war der Lacher des Abends.

Mit diesem Satz endete eine gelungene Veranstaltung der Kolpingsfamilie, die allerdings aus Sicht des neutralen Beobachters den falschen Oberbegriff hatte. Bei „Hart aber fair“ stehen sich in der Regel Kontrahenten gegenüber, die unterschiedlicher Meinung sind und wo kritische Fragen, auch aus dem Publikum, den Kontrahenten das Letzte abverlangen. Dass das bei dieser Veranstaltung nicht geschah, war auch der Tatsache geschuldet, dass man es bei Pastor Wolff und Pfarrer Hofmann-Hanke mit zwei „Kontrahenten“ zu tun hatte, die keine waren. Wirklich kritische Fragen aus dem Publikum waren rar, vielleicht auch deshalb, weil kritische Themen im sehr offenen Dialog der beiden Priester so ausdiskutiert wurden, dass die Zuhörer ihre möglichen Fragen hierin bereits beantwortet sahen.

Wenn auch nicht alle Fragen beantwortet wurden und viele Wünsche zu Veränderungen, besonders in der katholischen Kirche offen -und wohl auch Wünsche- bleiben, möglicherweise auch bedingt durch das weiterhin konservative und aus Sicht mancher längst nicht mehr zeitgemäße Verhalten der katholischen Kirche in Rom; so war es doch eine sehr informative und harmonische Veranstaltung, geprägt von zwei sich in bester Laune befindlichen Worringer Priestern, die gemeinsam mit den Worringer Christen die Zukunft angehen wollen. Und das alleine ist für die Christen beider Konfessionen in Worringen zunächst einmal ein gutes Zeichen.


WorringenPur.de/08.12.2017
Bericht & Fotos: Jakob Mildenberg
Redakt. & digit. Bearbeitung: Matschkowski